William J. Connell/Giles Constable, Sacrilege and Redemption in Renaissance Florence. The Case of Antonio Rinaldeschi.
Historische Zeitschr, 19-10-2006, ––
1mGesprach beim Mittagessen entdeckten zwei renommierte Historiker, daBsie Quellen zum selben Florentiner Kriminalfall gefunden hatten, der eine die Predella des Stihnealtarsmit der Moritat in neunkleinen Gemalden, der andere einschlagige Texte der zustandigen Bruderschaft. Daraus entstand ein 1998veroffentlichtergemeinsamer Aufsatz, der auf groBes Interesse stieBund daher jetzt aufwendig illustriert und mit einem Anhang samtlicher Quellen im Originaltext und in englischer Ubersetzung als Buch veroffentlicht wird. Am 11.Juli 1501 verlieBder tibel beleumundete Antonio Rinaldeschi nach erheblichen Spielverlusten fluchend
seine Kneipe und bewarf das Fresko der Madonna de’ Ricci nahebei wtitend mit Pferdeapfeln. Nach einigen Tagen aufgegriffen, wobei er einen Selbstmordversuch untemahm, wurde er yon den Otto di Guardia verhi)rt,zum Tode verurteilt und nach der Beichte noch in der Nacht gehangt, urn Lynchjustiz zu venneiden. Das geschandete Madonnenbild wurde umgehend Gegenstand besonderer Verehrung; die Errichtung einer Kapelle folgte. Samtliche Details der Angelegenheit werden genau untersucht, wobei sich herausstellt, daB weder Glticksspiel,noch versuchter Selbstmord, noch Blasphemie tiberall und injedem
Fall als todeswtirdige Verbrechengalten, auch wenn es an einschlagigen Bestimmungen gegen Lasterer nicht fehlte.Aber Florenz befand sich in jenem Jahr in einer kurzen Phase neo-savonarolianischer Erregung; auBerdemhatte die damalige italienische Volksfrommigkeit insgesamt eine besondere Empfindlichkeitim Umgang mit Kultbildem entwickelt. Darum muBteRinaldeschi sterben. Das Buch ist ein mikrohistorisches Kabinettsttick, das einen eng begrenzten, aber hoch intensiven Einblick in das Leben und Sterben im damaligen Florenz gestattet. Historiker soIlten ofter zusammen essen gehen!
Sacrilegio e Redenzione nella Firenze rinascimentale
Il caso di Antonio Rinaldeschi